„Der Club der toten Dichter“ – Theaterprojekt

Veröffentlicht am 11. November 2021

CARPE DIEM!

ENDLICH – nachdem der Festsaal der FWS Karlsruhe so lange Zeit unbelebt bleiben musste, hat sich am 22.10. und 23.10.2021 der Vorhang der Bühne wieder geöffnet.

Die Schüler*innen der Klasse 12b sind in konservative Schuluniformen geschlüpft und waren für zwei Vorführungen Internatsschüler*innen im Dr.-Hilfgott-Johannis-Internat – ein Elite-Internat unter Führung der strengen Rektorin, die ganz auf Tradition, Leistung und Disziplin setzt.

Die Lehrkräfte fordern Fleiß, Ordnung und auswendig gelerntes Wissen ein – bis eines Tages die ehemalige Schülerin Frau Berner als neue Lehrerin eingestellt wird. Sie bringt frischen Wind in die Unterrichtsräume und ermutigt ihre Schüler*innen zu freiem, eigenständigem Denken. Mit ihrem kreativen, inspirierenden Unterricht fordert Sie ihre Klasse auf, sich den schönen Dingen des Lebens zuzuneigen. Die Poesie,  das Rezitieren von Gedichten, die musikalischen und künstlerischen Fähigkeiten der Schüler*innen werden angeregt und belebt. In dieser neu erweckten Wachheit erfahren die Schüler*innen vom „Club der toten Dichter“ – Frau Berner einst Gründungsmitglied dieser Gruppe, erzählt von den geheimen Treffen, bei denen musiziert,  gefeiert und getanzt wurde.

Fasziniert und inspiriert von Ihrer Lehrerin, die längst mehr als nur Vorbild für die Klasse geworden ist, beschließen die Schüler*innen den Club der toten Dichter wieder ins Leben zu rufen.
Bei ihren geheimen Treffen in einer Höhle am Rande des Schulgeländes findet sich die Gruppe zusammen. Hier reifen die Träume und Wünsche der Schüler*innen in vielfältigen Ausdruck heran und werden erstmals in Worte gefasst. Gemeinsam entdecken sich die jungen Menschen in ihren Talenten und tauschen sich über ihre Vorstellungen ihrer Zukunft aus. Viele Fragen tun sich auf: Was will ich werden oder sein? Wo sind meine Fähigkeiten und wie kann ich diese ausleben? Was brauche ich zum Glücklich sein?                                               

Auch gegen jede Lebenswirklichkeit zum Trotz entwickeln die Jugendlichen ein Selbstbewusstsein und einen Selbstwert, der immer mehr in den normalen, leistungsorientierten Alltag einfließt und mit den strengen Vorgaben von Internat und Elternhaus kollidiert. In dieser neuen Rebelligkeit sind Konflikte und Streit die Folge – doch längst gibt es kein Zurück mehr. Jetzt gilt es die eigenen Vorstellungen gegenüber den Erwachsenen zu behaupten und zu verteidigen. Letztendlich bis er im tragischen Selbstmord einer Schülerin endet, die keine Zukunft für sich unter den strengen Vorgaben und Vorstellungen ihrer Eltern sieht. Die Schuld am Tod der Internatsschülerin wird Frau Berner zugeschrieben, die mit ihrem „modernem“ Unterrichtsstil die Schüler*innen aufgestachelt und gegen die vorgeschriebenen Werte aufgebracht hat. Ihr wird gekündigt und Sie muss das Internat verlassen – ihre Schüler*innen bleiben ihr gedanklich treu und müssen sich doch dem Diktat der Erwachsenen beugen.

Ein wunderbares Stück –  die ursprüngliche eher altertümliche Fassung von Martin Bode wurde in Zusammenarbeit mit dem gesamten Regieteam neu und modern inszeniert. Frau Bechtel hat dabei die Textfassung von Martin Bode stark reduziert und verändert, die Szenen der Theaterprobe und des Magischen Maskenballs wurden hinzugeschrieben (angelehnt an den Roman „der Steppenwolf“ von Hermann Hesse). Frau Basfeld hat neue Gedichte hinzugefügt und einstudiert. Auch einzelne  Sprechsequenzen wurden in musikalische und choreografische Szenen umgewandelt. Choreografisch waren sie das Werk von Frau Gruia. Die Klasse war diesbezüglich sehr experimentierfreudig und konstruktiv. Die Schüler*innen der Klasse 12b haben die Message hervorragend umgesetzt und ins Publikum bewegt. Auf hohem, kreativem Niveau, in Eigenregie und individuellen Choreografien ist die gesamte Klassengemeinschaft in die einzelnen Rollen verschmolzen. Chapeau und Applaus!