„Nicht wegschauen, wenn etwas falsch läuft“

Interview mit Elias und Julius aus der 12b zu ihrem Klassenpiel
26. November 2025 | FWSKA! – Schüler*innenzeitung

Für ihr Klassenspiel hat sich die 12b mit einem Stoff beschäftigt, der historische Ereignisse aus dem Jahr 1956 mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbindet. „Echo des Schweigens“ beruht auf „Das schweigende Klassenzimmer“ von Lars Kraume und erzählt von einer Schüler*innengruppe in der DDR, die eine Schweigeminute für die Opfer des Ungarnaufstands hält und damit ins Visier der Staatsmacht gerät. Julius Kanetzky und Elias Berning berichten über den Entstehungsprozess, die Herausforderungen und darüber, warum das Stück gerade jetzt relevant ist.

Wer hat euer Plakat  gestaltet? Es gefällt uns gut!

Das ist von Luana Krystowsky. Sie hat schon mehrere Designprojekte zum Beispiel auch in ihrer Jahresarbeit gemacht und möchte später auch in diese Richtung gehen. Die Akten-Idee kam aus einer kleinen Arbeitsgruppe. Das Foto hat sie selbst gemacht, das entstand so nebenbei im Prozess. Auch Sophia Borchers war beteiligt.

Wie seid ihr überhaupt auf den Stoff „gekommen?

Frau Münch und Frau Hagenbucher haben mehrere Stücke vorgeschlagen – lustige und ernste. Dann gab es ziemlich viele Abstimmungsrunden und auch ein paar kleine Krisen. Am Ende hat sich die Idee von Ida Eisenmann und Katharina Wallenfels durchgesetzt, nachdem sie im Netz den Film recherchiert hatten. Frau Hagenbucher war erst skeptisch, weil Jugendliche hier Jugendliche spielen – inzwischen ist sie aber überzeugt vom Stoff.

Im Plakat steht „umgeschrieben und neu gedacht“. Wer hat was umgeschrieben? Was heisst „neu gedacht“?

Die Ideen kamen von Frau Münch. Ein erster Umschreibeversuch für ein Klassenspiel mit ChatGPT war komplett unbrauchbar. Also musste sehr viel nachgearbeitet werden. Und dann entstehen sogar jetzt, während wir proben, noch neue Szenen. Die Grundgeschichte bleibt gleich, aber es gibt neue Blickwinkel, neue Szenen, zusätzliche Figuren und andere Schwerpunkte.

Was ist historisch echt und was wurde ergänzt?

Der Stoff basiert auf einem Tagebuch. Was daran im Film dazuerfunden wurde, wissen wir nicht genau. Wir vermuten, dass es ähnlich lief wie jetzt bei uns: Man passt die Geschichte an, damit sie im Film oder auf der Bühne funktioniert.

Seit wann probt ihr und wie läuft das ab?

Seit Ende der Sommerferien erst zweimal pro Woche: Ideen sammeln, Hintergründe recherchieren, Umsetzung planen. Seit den Herbstferien haben wir nur noch Hauptunterricht und proben jeden Tag bis 18 Uhr. Nicht jede Rolle muss immer da sein, aber die beiden Lehrerinnen sind durchgehend dabei.

Was ist bisher die größte Herausforderung?

Eigentlich läuft es gut. Der Start war gelungen, alle machen mit. Kulissenbau und Kostüme laufen parallel. Jede und jeder hat mindestens eine kleine Sprechrolle und darüber hinaus Aufgaben, z. B. ist das Kostümteam dauerhaft mit zwei Schülerinnen besetzt.

Was macht das Stück mit euch? Was soll es beim Publikum auslösen?

Man bekommt ein Gefühl für die Zeit damals und dafür, was Mut bedeutet. RIAS, also Westradio, war die einzige Informationsquelle und die Schweigeminute war erstmal eine OIdee von Einzelnen. Die Entscheidung wurde am Ende von der ganzen Klasse getragen. Wenn viele dabei sind, wird es leichter.  Man versteht auch, wie autoritär ein Staat werden kann. Eine einzige kleine Aktion kann riesige Folgen haben. Für uns wirkt das Thema heute wieder aktuell – gerade mit Blick auf wachsenden Rechtspopulismus.

Was ist die wichtigste Botschaft des Stücks?

Nicht wegschauen. Und gegen den Strom schwimmen, wenn man merkt: Hier läuft etwas falsch.

Die FWSKA! ist unsere Schüler*innenzeitung. Sie erscheint unregelmäßig im Einblick, unserem Schulmagazin, und hier auf der Website.