Die Zweizügigkeit

So konnte der Eindruck entstehen, die Phase des äußeren Aufbaus und Wachstums unserer Schule sei beendet: mit fast 470 Schülern und 35 Lehrerinnen und Lehrern schien die Schule auch längerfristig die ihr angemessene Größe erreicht zu haben. Dabei blieb aber unberücksichtigt, dass die Anziehungskraft der Waldorfschulen ungebrochen ist: Jährlich mussten Bewerbungen für die 1. Klasse in Klassenstärke(n) abgewiesen werden. So stellte sich schneller und dramatischer als erwartet die Frage der künftigen Schulentwicklung, sprich: Beginn eines Parallelzuges in der 1. Klasse.

Vom Kollegium eingeleitet hat sich die Schulgemeinschaft nach rund 1½ jährigem Prozess der Meinungs- und Willensbildung durch das Votum der Eltern-Lehrer-Konferenz vom 29. März 1990 auf den Weg zur zweizügigen Karlsruher Schule begeben.

 Der Aufbau der zweizügigen Schule

In einem ersten Schritt wurde aus den bisherigen Erfahrungen ein Idealkonzept für die zweizügige Karlsruher Waldorfschule abgeleitet und vom Architekten dargestellt. Wesentliche Teile der Erweiterung umfassen neben den notwendigen Fach- und Klassenräumen eine vergrößerte zweite Turnhalle, die vielfältige Nutzung zulässt, und ein großer Saal, der mit 800 Sitzplätzen Stadttheaterqualität hat.

Die Durcharbeitung des Projekts zwischen Architekt, Kollegium und Baukommission ergab die Vorentscheidung, nicht zwei Züge nebeneinander, sondern eine große Schule zu entwickeln, in der die einzelnen Altersstufen mit Bezug zu den Entwicklungsschritten den Fachräumen zugeordnet sind. Die Zuordnung erfolgt so, dass jeder Schüler in seiner Schulzeit zweimal das Gebäude „durchwandert“ und so auch immer die anderen Altersstufen wahrnehmen kann.

Der stufenweise Ausbau

Die Gegenüberstellung des Projektes mit den zu erwartenden Kosten ergab, dass das Vorhaben nicht in einem Zug realisiert werden konnte. Die ersten Jahre der Zweizügigkeit konnten noch durch ein „Zusammenrücken“ in den vorhandenen Gebäuden ermöglicht werden.

Im Herbst 1994 wurde mit dem Abschnitt 1A des Neubaus begonnen, September 1996 konnte die Einweihung gefeiert werden.

Die Abgrenzung des Abschnitts erfolgte einerseits nach dem dringlichsten Raumbedarf, andererseits unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit, aber auch der Leistungsgrenzen der Elternhäuser.

Die Zusage staatlicher Förderung für den Bauabschnitt 1A war Voraussetzung, um einen weiteren, kleineren Bauabschnitt 1B in Angriff zu nehmen. Die Bauleistungen der Firmen wurden im Wesentlichen bereits 1999 abgeschlossen, im Oktober des Jahres konnten die ersten Räume bezogen werden.

Auch damit sind noch nicht alle notwendigen und wünschenswerten Räume für die zweizügige Schule verfügbar. Weitere Bauabschnitte (2A/2B) oder Provisorien sind erforderlich, um den weiteren Raumbedarf der wachsenden Schule zu decken. Aus dem modifizierten Raumprogramm für 2B wurde inzwischen kurzfristig ein Provisorium für Eurythmie und Spielturnen im Januar 2002 fertiggestellt. Der Holzbau mit einer Nutzfläche von etwa 130 m² wird mittelfristig in den Baukörper des Bauabschnitts 2B integriert.

 Gartenbau II

Da direkt angrenzend an das Schulgelände keine Freiflächen für die notwendige Erweiterung des Gartenbaus zur Verfügung standen, wurde 1997 einen Kilometer nördlich der Schule ein Gelände gepachtet. Dort steht seit 2004 ein weitgehend in Eigenarbeit geplantes und errichtetes Gebäude, in dem ein Unterrichtsraum und die nötigen Nebenräume für den Gartenbau des 2. Zuges untergebracht sind.