Das Netzwerk der UNESCO-Projektschulen in Deutschland besteht aktuell aus rund 300 interessierten, mitarbeitenden und anerkannten UNESCO-Projektschulen. Die UNESCO-Projektschulen verteilen sich auf alle 16 Bundesländer und alle Schularten. Sie gestalten das Schulleben im Sinne des interkulturellen Lernens. Sie engagieren sich für eine Bildung, die es Menschen ermöglicht, ihre individuelle Persönlichkeit zu entfalten und ein erfülltes Leben zu führen. Das Ziel: Zusammenleben lernen in einer pluralistischen, kulturell vielfältigen und nachhaltigen Welt.

Das weltweite Netzwerk der UNESCO-Projektschulen nennt sich ASPnet (UNESCO Associated Schools Network) und wurde 1953 unter Beteiligung Deutschlands gegründet. Es dient dazu, Friedens- und Demokratieerziehung, Erinnerungskultur, Menschenrechtsbildung, Leben in Vielfalt und Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schulprofilen sowie im Alltag und der pädagogischen Arbeit von Schulen weltweit wirkungsvoll zu verankern.

Unser erstes UNESCO-Projekt

Partnerschaft mit dem „Liceul Waldorf Bukarest“

Zwei Jahre nach der Wende 1989 in Rumänien wurde die erste Bukarester Waldorfschule gegründet. Diese Gründung erfolgte durch den deutschen Verein „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“. Rumänische Waldorfschulen sind staatliche Schulen: Als solche sind sie im landesüblichen Ausmaß finanziell gesichert. Pädagogisch müssen sie Kompromisse eingehen: Die Klassenlehrer*innen können nur bis zur 4. Klasse unterrichten; alle Schüler*innen müssen in der 8. Klasse eine vom Staat vorgeschriebene Prüfung ablegen; durch neue Durchmischung in der 9. Klasse wird oft die Klassengemeinschaft beeinträchtigt. Die Schule hat keine Autonomie bei der Lehrerzuwahl; überhaupt ist oft wenig Verständnis bei den Behörden für diese ganz andere Art von Schule vorhanden.

Die Partnerschaft mit unserer Schule besteht seit 1992. Seither ist die Freie Waldorfschule Karlsruhe UNESCO-Projektschule. Diese Partnerschaft steht für unser Engagement für Interkulturalität und Nachhaltigkeit. In den ersten Jahren beteiligten sich einige Karlsruher Lehrer engagiert und liebevoll beim Aufbau in Bukarest.

1999 zog die Schule in ein neues Gebäude, dessen Renovierung von Deutschland finanziert wurde. Trotzdem reicht der Raum für die ca. 300 Schüler*innen nicht aus, sodass in Schichten, die Hälfte der Schülerschaft morgens und die andere Hälfte nachmittags unterrichtet werden muss. (Für unsere Karlsruher Waldorfschüler*innen ein schönes Erlebnis um 13:00 Uhr die Schule anzufangen!) Im Gegensatz zu Deutschland stehen die rumänischen Waldorfschulen „alleine auf weiter Flur“: die Anlehnung an den Westen ist für die Bukarester Schule eine wichtige Stütze. In vielerlei Hinsicht wird auf die Karlsruher Waldorfschule als einer „richtigen“ Waldorfschule aufgeschaut. Wir können ihnen auch bei der Auseinandersetzung mit den Behörden eine Hilfe sein.

Im Laufe eines Schuljahres finden mehrere gegenseitige Besuche mit Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern statt. An unserem Basar im November betreiben die rumänischen Gäste einen Stand, im Frühling gibt es einen Rückbesuch in Bukarest. Des Öfteren hospitieren Bukarester Lehrer*innen in Karlsruhe.

Was bringt uns die Partnerschaft?

In Rumänien begegnen wir einer ganz anderen Kultur und Art zu leben: spontan, gastfreundlich, improvisierend, vieles nicht so ernst nehmend. Immer wieder erleben das unsere Schüler*innen, die dort zu Gast sind. Eine Hauptwirkung für unsere Schulgemeinschaft ist, dass wir veranlasst werden – ganz im Sinne des UNESCO-Gedankens – über unseren Tellerrand hinauszuschauen und uns an der Leichtigkeit des Seins ein bisschen zu erfreuen!